Hiking pur: von Cruz del Carmen nach Chinamada

Der Rother Wanderführer Teneriffa beschreibt diese großzügige Rundtour durch eines der schönsten Anaga-Täler als absoluten Leckerbissen für Anaga-Liebhaber. Dem kann ich mich nur anschließen. Dabei ist diese Tour sogar noch weitgehend unbekannt, auch wir haben nur ganz wenige Wanderer unterwegs angetroffen.

Ausgangspunkt dieses schönen Wander-Erlebnisses ist der Wanderparkplatz an der Anaga-Höhenstraße am Cruz del Carmen. Leider zeigte sich das Wetter zu Beginn sehr störrisch. Es regnete, ja, auch das gibt es auf Teneriffa. So überlegten wir wohl eine halbe Stunde lang, ob wir wirklich losgehen sollten oder nicht. Wir haben es dann schließlich getan… und keineswegs bereut

Durch den „Nebelwald“ geht es bergab
ein idyllischer Abschnitt

Zunächst einmal steigt man dem PR TF  10 folgend durch den Nebelwald bergab. Schmale Wege mit engen Windungen lassen das Hiking-Herz höher schlagen. Auf dem Weg zur Ortschaft Casas del Rio hat man erste, eindrucksvolle Aussichten. Dieses konnten wir aufgrund des Regens allerdings nur erahnen. In Casas del Rio scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Von Casas del Rio folgen wir einem etwas breiteren Weg der schließlich auf einer Straße endet. Diese wandern wir nur kurz entlang, gehen anschließend rechts durch ein kleines Dörfchen um dann die Straße wieder zu überqueren und hinunter zu einer Wegekreuzung (Las Escaleras) zu steigen. Ab hier führt uns der Weg in einer beeindruckenden Höhenwanderung hinunter in das alte Höhlendorf Chinamada.

Die Wegekreuzung Las Escaleras
Hier beginnt ein toller Höhenwanderweg

Von nun an haben mehr Glück mit dem Wetter. Es klart auf und so eröffnen sich uns wunderbare Ausblicke. Auch das Meer ist durch die immer weniger werdenden Wolken ab und an zu entdecken. Allerdings ist der Weg durch den Regen mittlerweile so aufgeweicht, dass wir an manchen Stellen durch den Matsch der an den Schuhen kleben bleibt immer größer werden. Das macht mir ein wenig Sorgen, denn ab Chinamada soll der Weg laut Wanderführer Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordern. Aber zunächst ist erstmal eine Rast auf dem Dorfplatz von Chinamada angesagt.

Es klart auf
Blick auf Chinamada
Eine verlassene Höhlenwohnung

Die Einwohner von Chinamada haben ihre Wohnungen in alte Höhlen gebaut, deshalb übt dieses Dörflein eine magische Anziehungskraft auf Touristen aus. Es ist ja auch mit dem Auto zu erreichen. So war es hier nicht mehr so einsam wie unterwegs. Wir entschliessen uns, noch einen Abstecher zum nahegelegenen Aussichtspunkt Aguaide zu machen. Ein Tipp, den wir durch unser Hobby Geocaching bekommen hatten. Und dieser Abstecher hat sich ebenfalls wirklich gelohnt. Man durchquert Chinamada und hat vom „Mirador“ (Aussichtspunkt) einen tollen Blick auf das Meer und Punta del Hidalgo.

Punta Hidalgo vom Aussichtspunkt Aguiede
Der Abstecher lohnt auf jeden Fall

Nun aber folgt das spannenste Teilstück der Strecke. Es gilt zwei wildromatische „Barrancos“ (Felsschluchten) zu durchqueren. Dabei geht es natürlich zweimal bergab und zweimal wieder bergauf. Teilweise führt der Weg über in den Fels gehauene Stufen. Das war wohl mit der Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gemeint. Zum Glück sind die Felsen inzwischen abgetrocknet und wir können die etwas kritischen Stellen gut überwinden. Auch eine alte verlassene Höhle dürfen wir auf unserem Weg durch die beiden Täler besichtigen.

durch wilde Felsschluchten
hinab ins Tal
Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich

Schließlich kommen wir am Fuße der Ortschaft „El Batan“ (man findet in der Karte auch die Bezeichnung Los Batanes) an. Hier werden wir mit dem Blick auf eine große Höhle begrüßt, in der die Herstellung von Leinen bildhaft dargestellt wird. Wir befinden uns auf einer Art Lehrpfad. Die ersten Häuser. Eine ältere Dame schaut uns etwas ungläubig nach, wahrscheinlich fragt sie sich, wie man die Strapazen der Barranco-Durchquerungen freiwillig auf sich nehmen kann. Und nun geht es wirklich steil bergan. Der Weg führt durch das Dorf und die dazu gehörenden landwirtschaftlichen Flächen. Im Dorf wird gefeiert, man begrüßt uns mit Musik und Gesang! Gerne hätten wir uns in der Dorfkneipe niedergelassen aber die Zeit wird langsam knapp und wir wollen Cruz del Carmen noch von Einbruch der Dunkelheit erreichen. Es gibt auf dieser Wanderung so viele interessante Fotomotive, werft einfach mal einen Blick auf die nun folgende Diashow:

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Wir gehen ein Stück die Straße entlang und durchqueren einen Tunnel. Von nun an führt der „Camino“ (Weg) gemütlich auf der rechten Talseite bergaufwärts. Schreibt der Wanderführer! Für uns ist dieses gemütlich ganz schön schweißtreibend. Und es wird noch anstrengender. Auf Serpentinen geht es im Wald immer weiter steil bergauf. Unser nächstes Zwischenziel ist eine alte Forsthütte von wo es den letzten Kilometer bis Cruz del Carmen doch wieder etwas gemäßigter werden soll. Schließlich erreichen wir erschöpft aber überglücklich über die tolle Wanderung wieder unseren Parkplatz am Cruz del Carmen. Aus im Wanderführer angekündigten 13,9 km sind auf unserem Garmin Oregon 600
glatte 19 km geworden. Dies kann allerdings nicht alleine an unserem Abstecher zum Aussichtspunkt Aguaide gelegen haben.

Fazit: Hiking pur – ein echter Geheimtipp! Die Wegstrecke verlangt dem Wanderer mit einem Höhenunterschied von ca. 900 Metern aber auch allerhand ab. Aufgrund der Einmaligkeit der Landschaft des Anaga-Gebirges und der tollen Wegführung vergibt Outdoorsüchtig hier zum ersten Mal die Traumnote „5 Sterne“! Und das, obwohl wir noch nicht einmal das beste Wetter für diese Wanderung hatten.

Und zum Abschluss noch ein paar Informationen:

Ein wenig Landeskunde findet Ihr auf wikipedia.

Unser Hotel: Playa de los Roques.

Private Unterkünfte für Wanderer gibt es hier.

Unsere Wanderungen haben wir uns aus dem Rother Wanderführer Teneriffa herausgesucht.

Earthcaches, die wir auf Teneriffa besucht haben, findet Ihr auf cachoholic.de.

Ein schönes Reisevideo sowie weitere Berichte gibt es auf der Seite killerwal.com

Weitere Berichte über unseren Teneriffa-Urlaub findet Ihr auf meiner Seite „GEWUM!“ unter dem Label Teneriffa

7 Kommentare

  1. Ich musste beim Lesen ein wenig schmunzeln, von wegen wenig Wanderer- bei schönem Wetter und/oder Wochenende ist am Cruz del Carmen reinste Völkerwanderung. Sei froh, dass Ihr es wie wir fast menschenleer erwandern konntet. Wir sind nach dem Wanderführer des Michael-Müller-Verlages gelaufen und auch ich hatte ähnliche Gedanken in Bezug auf „gemütlich“ „leicht ansteigend“ und ähnlichen Attributen. Aber bei Regen diese Tour zu unternehmen, ist etwas leichtsinnig, da die Basaltsteine am Anfang der Tour auch bei trockenem Wetter immer feucht und rutschig sind.

    Viele Wandergrüße von einer seit 25 Jahren infizierten Teneriffa-Begeisterten, Sylvia

    1. Hallo Sylvia,

      na, dann bin ich im Nachhinein doch noch froh, dass das Wetter nicht ganz so berauschend war. Obwohl die Aussichten bei Sonnenschein wahrscheinlich noch phantastischer sind.

      Liebe Grüße, Jörg

    1. Teneriffa ist wirklich eine Reise wert. Und der Wanderführer hat uns oft geholfen.

      Viele Grüße aus Limburg! Jörg

      P.S.: Ein tolles Blog hast du!

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