Schönheiten Nordrumäniens – Gratwanderung zum Ineu

Wie ich angedeutet hatte, war die Wanderung durchs wilde Maramureș zwar äußerst beeindruckend, aber meiner Meinung nach noch nicht die schönste, die wir in Nordrumänien unternommen haben. Heute geht es in das Rodna-Gebirge und über einen imposanten Gebirgskamm haben wir auch den Vârful Ineu bestiegen, welcher mit 2279 Metern der zweithöchste Berg des Gebirges ist. 26,8 Kilometer waren zu bewältigen. Und mit 1442 Metern An- und 1657 Metern Abstieg war dies mit Sicherheit auch die anstrengendste Wanderung die ich in Rumänien erleben durfte.

Beginnen wir mal mit einem Blick zurück. Über diesen Grat sind wir zum Ineu hinauf

Der Bus bringt uns zum Prisloppass. Hier begrüßen uns Souvenirhändler und die Musik aus dem nahem Kloster an dem im Moment scheinbar umfangreiche Bau- und Renovierungsarbeiten stattfinden. So sind wir gleich in der richtigen Stimmung als wir aufbrechen. Wir sind auf 1413 Metern und so wundert es nicht, dass es zunächst einmal ein wenig  bergauf geht. Aber schon bald befinden wir uns auf einer Art Hochebene am Fuße des Grates den wir besteigen wollen. Hier kann man genußvoll den Blick schweifen lassen und die Landschaft genießen.

Kloster am Prisloppass
Blick in die Ferne
2 km relativ ebene Strecke. Aber dann wurde es heftig

Doch dieses horizontale Wandervergnügen währt nur ca. 2 km. Danach wird es heftig… richtig heftig. Vorbei an Schafen steigen wir auf eine Höhe von über 1900 Metern auf. Oben angelangt eine kurze Erholungs- und Fotopause. Jetzt können wir auch den Grat erkennen auf dem wir weter wandern werden.

Kurze Orientierung und Einweisung
Vorbei an Schafen
Am Grat angekommen

Auf dem Grat wandern wir nun weiter. Ganz menschenleer ist es hier nicht, es sind doch tatsächlich noch andere Wanderer unterwegs. Sie alle wollen wohl hinauf zum Gargalău (2158 m). Der Anstieg dorthin zehrt weiter an meinen Kräften. Aber schließlich sind wir oben und legen eine länger Pause ein. Im Anschluss geht es immer den Grat entlang, mal auf, mal ab. Zwischendurch auch mal wieder unter die 2000 m. Die Oberfläche des Grates wechselt einige Zeit später von Gras auf Fels und ohne kleine Klettereinlagen geht es nicht weiter.

Pause am Gargalău
2158 m hoch
Die ersten felsigen Passagen

Ich wusste was auf mich zukommt und hatte vor eben diesen Klettereinlagen ein wenig Bammel. Aber vor Ort griff ich dann beherzt zu, fand die richtige Linie und so war es nachher leichter als gedacht. Na ja, es ging rechts und links schon ein Stück bergab. Aber das habe ich dann erfolgreich verdrängt. Ketten, Seile oder gar Geländer sind hier Fehlanzeige. Für Bergsteiger sicherlich gar kein Problem, für mich als Flachlandtiroler schon eine kleine Überwindung.

Bergauf und Bergab… immer wieder
Die rot-weiße Markierung weckt Heimatgefühle
Klettereinlage

Etwas später dann die entscheidende Frage: Wer möchte auf den Ineu hinauf? Unser Wanderführer Fedor lässt uns die Wahl. Mit dem anderen Teil der Gruppe will er ab hier ins Lala-Tal hinunter. Oben auf dem Ineu lockt ein Gipfelkreuz und ein Geocache. Und das Gefühl es ganz bis oben geschafft zu haben. So schließe ich mich den fünf Mann an, die ganz hoch hinaus wollen. Und tatsächlich sind die letzten Höhenmeter gar nicht so schlimm. Wieder genießen wir eine imposante Aussicht, können auf den Grat zurück blicken und sind stolz wie Oskar. Ach ja, den Geocache haben wir natürlich auch gefunden.

Das letzte Stück zum Ineu hinauf
Ganz oben!

Dann beginnt der lange Abschnitt. Zunächst einmal haben wir immer noch wunderbare Fernsicht. Wir steigen zu einem idyllischen Bergsee namens Lala Micá hinunter. Dort holen wir den Rest der Gruppe wieder ein. Klar, die haben jetzt Pause gemacht und weiter geht es, für uns ohne Pause, den Berg hinunter. Der Weg ist zwar noch markiert aber ziemlich zugewachsen. Dennoch macht es Spaß, sich auf diese Landschaft einzulassen. Nach 26,8 km erreichen wir den Zielpunkt der Tour, einen kleinen Waldweg bei Carlibaba wo der Busfahrer auf uns wartet.

Hinunter zum Lala Micá (das ist der kleine Bergsee)
Wieder in tieferen Gefilden… der Weg ist hier kaum erkennbar

Fazit: Für diese fordernde aber lohnende Tour vergebe ich die Höchstwertung! Outdoorsuchtfaktor 5 Sterne! Fasziniert hat mich vor allem das Landschaftserlebnis, die Aussichten und die Passagen die mich auch mal etwas Überwindung gekostet haben. Ich habe die Reise bei adventureslovakia gebucht, unser Reiseleiter Fedor hat sich um alles gekümmert. Einfach hinterher wandern und genießen. Wer mehr über Land und Leute erfahren möchte, dem empfehle ich den Reiseführer Siebenbürgen. Außerdem gibt es in der folgenden Diashow noch weitere Bildchen.

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2 Kommentare

  1. Wahnsinn! Was für eine megatolle Tour. Deine Bilder sind sehr beeindruckend. Ich kann richtig fühlen, wie es mir wohl bei diesem schönen Anblick ergangen wäre. Gänsehaut.
    Jedoch bin ich davon überzeugt, dass ich diese Tour konditionell nicht gepackt hätte und wenn ich euch das so in den Felsen klettern sehe, wohl auch von der Trittsicherheit und Höhenfestigkeit nicht. Aber dafür kann ich ja hier auf deinem Blog mitwandern. Eine schöne Alternative.

    Viele Grüße
    Silvana

    1. Dankeschön für das Kompliment. Es war auf jeden Fall ein unvergessliches Erlebnis. Die kurzen Kletterpassagen waren für mich schon hart an der Grenze, andere in der Gruppe haben das ganz locker genommen. Klar, so einen österreichischen Bergführer schreckt das nicht ab ;-). Rumänien war eine Reise wert.

      Liebe Grüße, Jörg

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