Der Harz lädt mit einsamen Pfaden zum Wandern ein

Die schönsten Orte im Harz – Wandern lohnt sich immer!

[Gastartikel von Lisa Bönemann] Der Harz gehört noch immer zu den eher weniger bekannten Urlaubsregionen in Deutschland. Dabei ist dieses Mittelgebirge sehr zentral in Norddeutschland gelegenen und bietet vielfältige Urlaubsmöglichkeiten, die insbesondere Outdoor-Enthusiasten ansprechen dürften. Wenn ihr schon mal vom Harz gehört habt, dann vermutlich im Zusammenhang mit dem Brocken oder den Harzer Schmalspurbahnen, die ohne Frage einen besonderen Reiz ausüben. Doch der Harz hat deutlich mehr zu bieten und lädt förmlich zum Wandern in allen vier Jahreszeiten ein.

Gut ausgeschilderte Wanderwege verschiedenster Schwierigkeitsstufen führen durch den Harz und durch unterschiedliche Landschaften. Harz ist nicht gleich Harz – und das macht seinen besonderen Reiz aus. In diesem Beitrag möchte ich Euch ein paar der aus meiner Sicht schönsten Orte im Harz vorstellen und Euch einen ersten Eindruck von diesem Teil Deutschlands vermitteln, der mich in seinen Bann gezogen hat.

Welcher Teil des Harzes lohnt sich zum Wandern eigentlich am meisten?

Diese Frage lässt sich nicht allgemeingültig beantworten, denn es kommt darauf an, was Dir am meisten zusagt. Der Harz ist sehr vielfältig und unterteilt sich vom Westen her in Oberharz, Hochharz und Unterharz. Während der Oberharz vor allem von endlosen Nadelbaumwäldern und einer von Menschenhand geschaffenen Kulturlandschaft geprägt ist, gibt es im Hochharz zahlreiche Moore und im Unterharz sind die Laubwälder vorherrschend. Neben dieser Natur findet man in und am Harz viele schöne Städte und kleine Ortschaften, die auf eine lange Geschichte zurückblicken und durch eine tolle Architektur auffallen.

Ausflugsziele im Harz - Kaiserpfalz Goslar
Kaiserpfalz Goslar

Hier denke man nur an geschichtsträchtige Städte wie Wernigerode, Goslar oder Stolberg, aber auch an alte Bergstädte des Oberharzes wie Sankt Andreasberg oder Wildemann. Richtig klasse ist auch immer das Bodetal Richtung Braunlage mit den Bodefällen und dem rauschenden Wasser. Eines haben all diese Orte zwischen Mansfeld und Seesen gemein: Sie sind durch zahlreiche, sehr abwechslungsreiche Wanderwege miteinander verbunden und lassen sich auf beste Weise zu Fuß erkunden. Diese sind dabei meiner Erfahrung nach sehr gut ausgeschildert, sodass ein wirkliches Verlaufen nahezu ausgeschlossen werden kann.

Die schönen Orte im Oberharz sind von der Bergbaugeschichte geprägt.

Den früheren Einfluss des Bergbaus im Oberharz spürt man dort noch heute und man hat diesem unter anderem die Wasserwanderwege zu verdanken, die entlang des sogenannten Oberharzer Wasserregals und den dazugehörigen Orten führen. Diese Wasserwanderwege durchlaufen dieses UNSECO-Weltkulturerbe mit einer kaum überschaubaren Anzahl an Teichen, die einst dem Erzbergbau die erforderliche Wasserkraft zum Betrieb der Schächte zur Verfügung stellten. Diese stehen wie kaum ein anderes Bild für den Oberharz.

Besonders empfehlenswert ist eine Wanderung an der Auerhahnkaskade, einem System aus mehreren hinter- und untereinanderliegenden Teichen, die sich vom Ort Auerhahn entlang des Bocksberges bis nach Bockswiese ziehen. Die dortigen Wasserwanderwege durchkreuzen auch den bekannten Liebesbankweg, der mit verschiedenen Hochzeitsbänken und einem Wassertretbecken aufwartet. Ist es Winter kalt, versprechen die Teiche im Sommer eine angenehme Abkühlung, während Pilzfreunde vor allem im Herbst auf ihre Kosten kommen. Goslar mit seiner beeindruckenden Altstadt ist vom Bocksberg aus, bei dem es sich um ein Wintersportzentrum des Harzes handelt, natürlich auch über zahlreiche Wanderwege zu erreichen.

Wandern im Harz - Liebesbankweg
“Hochzeitsbank” auf dem Liebesbankweg

Aber auch die anderen Orte des Oberharzes wie Clausthal-Zellerfeld oder Altenau sind willkommene Ziele für Outdoorbegeisterte. In Clausthal steht übrigens die größte Holzkirche Deutschlands, die Marktkirche zum Heiligen Geist, mitten im Zentrum.

Wer sich für wesentlich größere „Teiche“ interessiert, dem werden mit Sicherheit die Talsperren im Oberharz zusagen. Dazu gehören in etwa die Okertalsperre, die Innerstetalsperre und die Sösetalsperre, wobei mir erste am besten gefällt. Dazu trägt mit Sicherheit auch das wunderbare Okertal zu, das zu bestimmten Zeiten durch das vom Kraftwerk Romkerhalle abgelassenen Wassers zu einer beliebten Wildwasserstrecke für Kanufahrer wird.

Ausflugsziele im Harz - Granetalsperre
Die Granetalsperre bei Goslar

Der Hochharz: Im Mittelpunkt steht der Brocken.

Im Harz ist man sich bis heute nicht so ganz sicher, wo genau welcher Teil beginnt und endet, sodass man den Hochharz als den Harzteil bezeichnen könnte, der den Nationalpark Harz umfasst. Hier wird es in der Regel nochmals etwas wilder als im Oberharz, denn zum Naturschatzgebiet gehören mehrere Moore und natürlich der Brocken mit seinen markanten Gipfel, der auf 1.142 m kommt. Aufgrund der Höhenlage kann es durchaus passieren, dass es im Oberharz im Frühling schon etwas wärmer ist, während man dann auf den Weg nach Torfhaus wieder auf Schnee trifft.

Torfhaus ist ein sehr beliebter Ort zwischen Bad Harzburg am Nordrand des Harzes und Nordhausen im Süden. Bekannt ist Torfhaus vor allem wegen der Aussicht auf den Brocken. Zudem deutet der Name schon auf die umliegenden Moore mit der entsprechenden Vegetation hin. Als Wanderweg ist hier vor allem auf den Goetheweg zu verweisen, der von Torfhaus vorbei am Torfhausmoor und am Quitschenberg hinauf zum Brocken führt. Auch Mountainbiker kommen dank des Streckennetzes der Volksbank Arena Harz voll auf ihre Kosten.

Schierke ist ebenfalls ein guter Standort, um einen Aufstieg zum Brocken zu beginnen. Wanderwege gen Brocken beginnen aber auch in Ilsenburg oder im bekannten Wernigerode, das auch als die „bunte Stadt am Harz“ bezeichnet wird. Wer es entspannter und zugleich spannend mag, sollte sich ein Ticket für die Brockenbahn kaufen und wird mit einer tollen Eisenbahnfahrt auf Schmalspur mit echter Dampflok belohnt.

Wenn Ihr im Nationalpark Harz unterwegs seid, sind die üblichen Verhaltensregeln, wie in anderen Naturschutzgebieten auch, zu beachten.

Im Unterharz setzt beginnt der Frühling schon deutlich früher.

Beim Unterharz handelt es sich um jenen Teil des Harzes, der östlich des Brockens liegt und sich immer weiter absenkend bis nach Mansfeld erstreckt. Besonders erwähnenswert sind hier das von steilen Felsen umgebene Bodetal mit dem Hexentanzplatz und der Roßtrappe oder die historische Stadt Stolberg, die nicht mit dem gleichnamigen Ort bei Aachen verwechselt werden darf. Stolberg besticht durch einen gut erhaltenen historischen Stadtkern und durch die regionalen Buchenwälder, die ebenfalls schöne Wandererlebnisse ermöglichen. Wer sich für alte Burgen interessiert, wird die Burg Falkenstein und die umliegende Natur sehr mögen.

Gleichzeitig muss erwähnt werden, dass die größte Talsperre des Harzes im Unterharz zwischen Elbingerode und Hasselfelde liegt, die Rappbodetalsperre. Wer Action mag, wird sich mit Sicherheit für die Megazipline an der Staumauer begeistern können. Es handelt sich um eine Doppelseilrutsche, mit der auf 1.000m Seillänge 120 Höhenmeter überwunden werden. Geschwindigkeiten von über 80 km/h sind dort keine Seltenheit, was einem das Gefühl eines Fluges vermitteln und zugleich einen tollen Blick auf das Bodetal gestattet.

Der Harz im Fazit: Ein spannendes Wandergebiet mit zahlreichen Outdoormöglichkeiten.

Der Harz lädt mit einsamen Pfaden zum Wandern ein
Einsame Pfade im Oberharz

Ob im Sommer, Winter, Frühling oder Herbst: Der Harz ist immer ein Urlaub wert. Dabei sind es vor allem die abwechslungsreichen Wanderwege, in unterschiedlichen Gegenden des Harzes, die für sich sprechen. Gut ausgeschildert führen sie zu spannenden Orten und halten beeindruckende Landschaften bereit. Mountainbiken ist im Harz ebenso gut möglich wie Wintersport in Braunlage, Sankt Andreasberg oder Hahnenklee-Bockswiese. Im Sommer sind es insbesondere die Teiche des Oberharzer Wasserregals, die im Oberharz besonders einladend sind. Fotografen kommen natürlich ebenfalls auf ihre Kosten, und wenn es sich um einen nebeligen Herbsttag mit vielen Pilzmotiven handelt. Der Harz wird vielleicht noch unterschätzt, die Frage ist nur: Wie lange noch? Wer einmal im Harz war, kommt oft wieder.

Lisa Bönemann - HarzregionDie Gastautorin: Lisa bloggt auf harz-region.de über alle interessanten Harz-Themen, wie zum Beispiel Wanderungen, Kultur und Natur des Harzes sowie über Ausflugstipps mit und ohne Hund.

Vielen Dank für den tollen Beitrag Lisa! Und Kompliment für den tollen Blog!

Auch ich habe natürlich den Harz schon erkundet. Und das gleich 24 Stunden am Stück! Die 24h Trophy rund um den Brocken war ein tolles Erlebnis.




12 Kommentare

  1. Danke für den sehr informativen Artikel! Auch ich oute mich als diejenige, die viel zu wenig in den Harz fährt, obwohl er von Hannover nicht weit weg ist. Ich war schon zwei Mal im Bodetal und Ilsenburg. Und die Megazipline bin ich auch schon runtergedüst. Ganz toll!
    Dieses Jahr muss ich unbedingt mal wieder hin. Ich suche eher die einsameren Wege inmitten viel Natur. Habt Ihr hier viell. noch einen konkreten Wandertipp für mich im Oberharz?
    Dankeschön! LG Simone

    1. Hallo Simone! Schön, dass Dir der Artikel gefällt. Wie Du bestimmt gesehen hast, ist es ein Gastartikel von Lisa (harz-region.de). Ich bin sicher, sie hat noch einige schöne Tipps fürs Wandern im Harz (Ob nun Ober- oder Hochharz) – ich bin leider bislang nur selten dort gewesen. Liebe Grüße, Jörg

  2. Huhu :-) Kommentar der Zweite, nachdem der erste im Nirvana verschwand:

    Ein guter Bericht einer tollen Gegend, meiner Heimat. Aufgewachsen in Wernigerode, lange in Clausthal-Zellerfeld gelebt – ich liebe den Harz sehr und bin auch viel zu selten dort! Leider habe ich in der Zeit im Oberharz zu viel gearbeitet, um das Wasserregal beispielsweise zu besuchen.

    Zu ergänzen wäre die längste, aber nicht schönste Hängeseilbrücke (Titan RT) an der Rappbodetalsperre. Die Schönste (Geierlay) ist und bleibt im Hunsrück, meiner jetzigen Heimat.

    Vielleicht sollten wir mal eine gemeinsame Tour in den Harz machen, um ein paar viele Wanderstempelstellen abzuwandern… :-)

    Liebe Grüße
    Claudia von aktiv-durch-das-leben.de

    1. Hallo liebe Claudia,

      danke für die sinnvollen Ergänzungen der Ausflugstipps. Ich bin schon an so vielen Wanderstempelstellen vorbei gelaufen, ärgert mich jetzt auch ein wenig.

      Liebe Grüße, Jörg

  3. Da kann ich nur voll und ganz zustimmen: der Harz ist eine tolle und vielseitige Wanderregion, die man gerne öfter besucht!
    Uns gefällt das Konzept mit den Wanderstempeln sehr gut. Das motiviert, auch mal Touren zu unternehmen, die auf den ersten Blick eher unspektakulär wirken.

    1. Ja, der Harz ist toll. Das finde ich auch und bin leider viel zu selten dort. Deshalb habe ich auch noch nicht mit den Wanderstempeln angefangen. Sollte ich eigentlich mal tun… na, wenn ich das nächste mal dort bin! Danke für Deinen Kommi!

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.