10 Jahre Rheingauer Klostersteig: 30 Kilometer, charaktervolles Wetter und jede Menge Herzblut

Werbung* Der Rheingauer Klostersteig feiert in diesem Jahr Jubiläum – und ich durfte bei der Jubiläumstour „Klostersteig komplett“ dabei sein! Wer meinen Blog schon länger verfolgt, weiß: Vor acht Jahren war ich schon einmal dabei. Seitdem hat mich dieser Weg nicht mehr losgelassen. Nach einer weiteren Tour mit Freunden war es nun Zeit für das offizielle 10-jährige Jubiläum. Zusammen mit rund 50 anderen Pilgern machte ich mich auf die Socken.

Wegelogo Rheingauer Klostersteig
Wieder unterwegs am Rheingauer Klostersteig
Übersicht Rheingauer Klostersteig
30 km Pilgerwandern im Rheingau

Ein Tag, alle Klöster: Die Jubiläumstour

Die Herausforderung: Den kompletten Klostersteig an einem einzigen Tag erwandern. Organisiert wurde das Ganze von Wanderführer und Pilgerbegleiter Wolfgang Blum aus Geisenheim, den seine Familie tatkräftig unterstützte. Der Tag startete gemütlich in Marienhausen bei Kaffee, Streuselkuchen und kirchlichem Zuspruch, bevor uns der Bus zum Start am Kloster Eberbach brachte. Und ja, das Wetter… sagen wir mal, es war „charaktervoll“.

Schneegrieseln und Pilgersuppe

Kaum am Kloster Eberbach gestartet, wartete der steile Anstieg zur Hallgarter Zange. Wolfgang unterbrach die Anstrengung immer wieder mit inspirierenden Impulsen, was dem Ganzen eine besondere Tiefe gab. Pünktlich am Gipfel fing es an zu schneien, was später in Regen überging. Doch Pilger sind hart im Nehmen! Über das Kloster Nothgottes ging es zum Kloster Marienthal, wo uns eine heiße Pilgersuppe wiederbelebte.

Wanderer an der Hallgarter Zange
Der erste Anstieg ist geschafft… die Hallgarter Zange kommt in Sicht
Pilger vor der Basilika Schloss Johannisberg
Zur Basilika Schloss Johannisberg
Pilgersuppe
Die Pilgersuppe belebte uns wieder

„Impuls – Ich wünsche Dir Zeit …für Wanderwege: Einfach nur gehen, immer geradeaus, ohne Zeit- und Termindruck im Wissen: es ist egal, wann ich ankomme …für Rückwege: Auf dem Hinweg schon Gesehenes wiedererkennen, um es aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten …für Umwege: Andere Wege als angezeigt auszuprobieren um festzustellen, wie und wann ich am Ziel ankomme …für Bergwege: Schrittweise und mühsam sich dem Ziel nähern und den eigenen Grenzen begegnen …für Höhenwege: die Welt von oben ansehen, Abstand gewinnen, sich dem Himmel näher zu wissen und leicht werden …für Talwege: Von unten nach oben schauen, den Kopf heben, dem Himmel entgegen gehen und der Sehnsucht Flügel geben …für Schleichwege: Den breiten Weg verlassen, neue Wege wagen, durch Gestrüpp und über Hindernisse steigen …für Irrwege: Erfahrungen machen mit Wegsuche und Verlaufen, das Zurückgehen lernen, um neue anzufangen …für Kirchwege: Nicht nur um Kirchen zu besichtigen, sondern auch, ihre Einladung zu stillem Verweilen und Hören auf Gott anzunehmen

(Sr. Ursula Bittner, Vinzentinerin *1937 – aus dem Pilgerpass Rheingauer Klostersteig)

Pilger auf einer Holzbrücke
Pilger – immer gut gelaunt und hart im Nehmen
Johannisberg
Hinunter nach Johannisberg

Der restliche Weg, vorbei an der imposanten Abtei St. Hildegard, blieb glücklicherweise weitestgehend trocken. Spätestens jetzt merkte man dem einen oder anderen Pilger die Strapazen an. Auch ich war nicht mehr ganz so frisch, das muss ich ehrlich zugeben. Aber unsere Füße trugen uns schließlich zum Ziel in der Marienkirche des Klosters Marienhausen. Dort gab es den verdienten Lohn: Die Urkunden und Pilgerkreuze für alle „Klostersteig-komplett“-Pilger. Ein riesiges Dankeschön an Wolfgang und seine Familie für die top Organisation und das investierte Herzblut!

Abtei St. Hildegard
Abtei St. Hildegard
Pilgerbegleiter Wolfgang Blum und seine Crew
Dank an Pilgerbegleiter Wolfgang und „seine Crew“

🎒 Praxistipps: Wandern bei „charaktervollem“ Wetter

Wenn der Wetterbericht zwischen Schnee und Regen schwankt, entscheidet die Ausrüstung über Freud oder Leid:

  • Zwiebelprinzip: Funktionsunterwäsche leitet Feuchtigkeit ab, eine Hardshell-Jacke schützt vor Wind und Nässe.
  • Schirm: immer wieder ein Streitpunkt unter Wanderern. Ich hab ihn inzwischen stets dabei.
  • Wanderschuhe: Bei 30 km und Matsch sind eingelaufene, wasserdichte Wanderstiefel (Gore-Tex) Pflicht.

Und falls es noch „extremer“ sein soll: weitere Tipps gibt es in meinem Artikel „Wie ich mich auf lange Wanderungen vorbereite“.

Pilgerbegleiter im Schnee
Auch der Pilgerbegleiter hatte es nicht leicht
Wanderer mit Schirm
Mit Schirm wandert es sich besser

Wanderbar Übernachten in Lorch: Das Hotel im Schulhaus

Wer den Rheingau erkundet, braucht eine Base. Mein absoluter Tipp ist das Hotel im Schulhaus in Lorch. Das Gebäude aus dem Jahr 1933 ist eine ehemalige Volksschule, die im markanten Bauhaus-Stil errichtet wurde und heute unter Denkmalschutz steht. Bei der aufwändigen Sanierung blieb der nostalgische Charme erhalten: In den Fluren finden sich charmante Details und historische Bilder, die vom damaligen Schulalltag erzählen – eine Zeitreise inklusive!

Hotel im Schulhaus
Erholung pur im Schulhaus
Bitte nicht stören
Liebevolle Details
Schulalltagsbilder im Hotel im Schulhaus Lorch
Bilder aus dem Schulalltag

Heute positioniert es sich als das perfekte „Wanderquartier“ im Wanderparadies Wispertal. Hier merkt man sofort, dass Wanderer nicht nur Gäste, sondern eine echte Herzensangelegenheit sind. Es gibt herzhafte Pausenbrote für den Rucksack, regionalen Wein und das typische „Muffelche“ (eine kleine Stärkung für zwischendurch). Ein besonderes Highlight ist eine Tour mit Pächter Marcel, der nicht nur Hotelier, sondern selbst leidenschaftlicher Wanderguide ist. Er kennt die Pfade rund um den „Freistaat Flaschenhals“ wie seine Westentasche. Marcel hat uns auf eine wunderbare Tour Richtung Assmannshausen geführt, die mit spektakulären Ausblicken auf den Rhein belohnt wurde. Da viele dieser Wege nicht durchgehend beschildert sind, mein Tipp: Ladet euch den Track herunter oder bucht Marcel direkt als Guide für eure Gruppe!

Pausenbrot Hotel im Schulhaus
Und das Pausenbrot darf natürlich nicht fehlen
Schulhaus Muffelsche
Klassiker – das Muffelsche
Blick auf Lorch
Blick auf Lorch
Hund auf Wanderung
Er passte gut auf „sein Rudel“ auf

Lorch am Rhein: Wo Wein auf Weltgeschichte trifft

Lorch ist nicht einfach nur ein Ort zum Übernachten – es ist ein Erlebnis für sich. Eingebettet in steile Schieferhänge, erzählt jede Gasse hier Geschichten aus der Zeit, als Lorch ein reicher Handelsplatz am Rhein war.

  • Himmlischer Riesling-Genuss: Ein absolutes Muss ist die Pfarrkirche St. Martin. Sie beherbergt nicht nur den größten holzgeschnitzten Hochaltar Deutschlands, sondern auch eine weltweit einmalige Kuriosität in der Orgel: das „Riesling-Register“. Zieht man den Registerzug „Riesling 2-fach“, öffnet sich unter lautem Vogelgezwitscher eine kleine Tür, hinter der – man glaubt es kaum – zwei Flaschen Riesling und zwei Gläser für den durstigen Organisten versteckt sind. Wenn das nicht die Lorcher Trinkfreude auf den Punkt bringt!
Riesling Register in Lorch
Originell – das Riesling-Register

Ein geografischer Planungsfehler der Alliierten schuf nach 1918 den Freistaat Flaschenhals: Da sich die mit dem Zirkel gezogenen Besatzungszonen um Koblenz und Mainz am Rhein nicht berührten, blieb zwischen 1919 und 1923 ein schmaler, unbesetzter Streifen isoliert zurück. In dieser skurrilen Notgemeinschaft mit der Hauptstadt Lorch druckten die Bewohner eigenes Geld, lebten vom Schmuggel und trotzten der Blockade mit viel Improvisationsgeist, bis französische Truppen das kuriose Gebilde schließlich besetzten.

Historischer Freistaat Flaschenhals
Freistaat Flaschenhals
Der heilige Nepomuk und Kirche St. Martin
An der St. Martins Kirche

Kleine Weinkunde: Was macht den Lorcher Wein so besonders?

Wer im Rheingau wandert, kommt am Wein nicht vorbei. Ein Begriff blieb mir besonders in Erinnerung: die „hohe Trinkfreude“.

  • Der Schiefer-Faktor: Anders als im restlichen Rheingau wachsen die Reben hier auf purem Quarzitschiefer. Das verleiht den Weinen eine feine Mineralität und Frische.
  • Steillage ist Handarbeit: Die Reben krallen sich in extrem steile Hänge. Das bedeutet 100 % Handarbeit für den Winzer und konzentrierte Aromen im Glas.
  • Besonderheit Roter Riesling: Diese historische Urform feiert hier ihr Comeback. Er ist etwas stoffiger als der weiße Riesling, behält aber die typische Frische.
  • Trinkfreude pur: Das bedeutet perfekte Balance. Die Säure ist lebendig, die Frucht präsent, aber unaufdringlich. Ein Wein, der einfach schmeckt und perfekt zur Wanderpause passt.
Weinglas am Rhein
Ohne Wein läuft nichts in Lorch

Schlemmen und Genießen in Lorch: Meine Favoriten

  • Weingut Altenkirch: Hier müsst ihr essen! Die Gutsküche ist ein echtes Highlight und serviert regionale Träume wie Handkäs-Tartar, Zwiebelsuppe und herzhaftes Wildgulasch mit Klößen. Das Weingut blickt auf eine Tradition seit 1826 zurück und beeindruckt nicht nur mit seinem Panoramablick über den Rhein, sondern vor allem mit seinen historischen Weinkellern. Diese wurden bis zu 100 Meter tief in den massiven Schieferfelsen getrieben und bieten die perfekte kühle Umgebung für den Ausbau ihrer charakterstarken Steillagen-Rieslinge. Ein Ort, an dem Geschichte und Kulinarik perfekt verschmelzen.
Weingut Altenkirch
Schlemmen im Weingut Altenkirch
Die Weinkeller reichen bis tief unter die Weinberge
  • Weingut Marcel Laquai: Ein echter Geheimtipp für Fans moderner Lorcher Weinkultur. Der Weinküfermeister Marcel Laquai führt seinen eigenständigen Betrieb in der Wisperstraße mit spürbarem Herzblut und einer klaren Handschrift. Er hat sich voll und ganz den klassischen Rebsorten Riesling und Spätburgunder verschrieben, die in den extremen Steillagen rund um Lorch ihre besondere Mineralität entwickeln. Marcel ist bekannt für seine nahbare Art – besonders lohnenswert sind seine regelmäßigen Events wie der „Tag der offenen Kellertür“, bei denen man den Weinbau in lockerer Atmosphäre direkt dort erleben kann, wo er entsteht.
Weine Weingut Marcel Lacquai
Weingut Marcel Lacquai
Keller Weingut Marcel Lacquai
Zu erleben unter anderem am „Tag der offenen Kellertür“
Gaumenfreuden im Weingut Marcel Lacquai
Gaumenfreuden
  • Weingut Weiler: Hier führt Jungwinzerin Carolin Weiler die Familientradition in vierter Generation fort und bringt modernen Schwung in den klassischen Steillagenbau. Das Gut ist berühmt für seine „Steillagenhelden“-Weine, die aufgrund der extremen Hangneigung zu 100 % in mühsamer Handarbeit entstehen. Ein echtes Unikum ist der Ausbau: Die Weine reifen in einem historischen Schieferstollen tief im Berg unter der Burgruine Nollig. Die konstanten Temperaturen im Fels sorgen für eine besonders feine Harmonie und machen die Weine zu einem echten Erlebnis für Entdecker mineralischer Rheingau-Gewächse.
Die Jungwinzerin
Weingut Weiler
Auch hier gibt es leckere Sachen
Uriger Weinkeller Weingut Weiler
Und der Weinkeller ist urig

Und das besondere Geschmackserlebnis:

  • Weingut Wurm: Hier wird Gastfreundschaft großgeschrieben. Robert Wurm führt das Traditionsgut, das für seine markanten Schiefer-Steillagenweine bekannt ist. Die Vinothek im historischen Fachwerkhaus lädt zum Verweilen ein, aber das absolute Markenzeichen ist Roberts Leidenschaft für die Kombination aus Wein und „Soulfood“. Seine legendäre spanische Paella (auf Vorbestellung) ist weit über Lorch hinaus bekannt und bringt eine wunderbare Prise Urlaubsfeeling in den Rheingau. Ein idealer Ort für einen geselligen Abend, um die Erlebnisse der Wanderung Revue passieren zu lassen.
Paella
Wie macht man Paella?
Leckere Paella
Lecker!

Fazit: Warum der Rheingauer Klostersteig süchtig macht

Egal ob Pilgerpfad oder Weinbergsrunde – am Ende zählt im Rheingau das Zusammenspiel aus Natur, Anstrengung und Genuss. 10 Jahre Klostersteig bedeuten nicht nur 30 Kilometer Wanderstrecke, sondern zehn Jahre voller Begegnungen, spiritueller Impulse und landschaftlicher Highlights. Auch wenn die Waden nach der Tour brennen und das Wetter uns dieses Mal alles abverlangt hat: Das Gefühl, das Pilgerkreuz in Marienhausen in der Hand zu halten, ist unbezahlbar. Und am neu gestalteten Pilgerpass fiel mir sofort das Titelbild ins Auge… das ist doch… Richtig! Das Bild habe ich während meiner ersten Klostersteig-Tour aufgenommen!

Wegweiser Klostersteig
Ein Hauch von Frühling im Rheingau – ein echtes Wanderparadies
Pilgerpass und Pilgerkreuz

Der Rheingauer Klostersteig hat mein Wanderherz einmal mehr erobert. Es ist diese einzigartige Mischung aus der Stille der Klöster und der lebendigen Weinkultur in Lorch, die mich immer wieder zurückkehren lässt. Wer eine Herausforderung sucht und gleichzeitig die Seele baumeln lassen will, sollte sich diesen Weg einmal vornehmen. Ich bin mir sicher: Wir sehen uns dort bald wieder auf ein „Muffelche“ oder ein Glas Riesling mit hoher Trinkfreude!

Wisper Trail Lorch
Auf dem Wisper-Trail nach Lorch

* Zu dieser Reise wurde ich von der Rheingau-Taunus Kultur und Tourismus GmbH eingeladen. An dieser Stelle möchte ich mich dafür herzlich bedanken!

Transparenz und Offenheit sind mein Credo und somit Verpflichtung bei allen meinen Berichten und Produkttests.


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