Aussicht Schwarzhornfurgga

Durch die Albula-Alpen – Hüttentour bei Davos

Werbung* Kurve um Kurve schraubt sich das Postauto von Davos aus die Flüela-Passtraße hinauf. Schon die Fahrt zum Ausgangspunkt unserer Hüttentour ist ein Erlebnis. Bei strahlendem Sonnenschein steigen wir am Abzweig Flüela-Schwarzhorn aus dem Bus. Drei Tage werden wir mit unserem Bergführer David Hefti in den herrlichen Albula-Alpen verbringen. Wir werden Gipfel besteigen, Gletscher überwinden und wunderbar klare Bergseen bestaunen.

Albula-Alpen
Drei Tage in den Albula-Alpen: herrliche Ausblicke inklusive

Ein Dreitausender zum Auftakt

Das Postauto bringt uns immerhin auf ca. 2300 m Höhe. Doch den Rest müssen wir zu Fuß erledigen. Aber bei diesem herrlichen Wetter habe ich auch richtig Lust darauf. Also machen wir uns auf den Weg in Richtung Schwarzhorn. Das Flüela-Schwarzhorn ist mit seinen 3146 Metern ein beliebtes Ausflugsziel in den Albula-Alpen, da der Gipfel zwar Trittsicherheit und ein gewisses Maß an Schwindelfreiheit erfordert, im bergsteigerischen Sinne aber keine große Herausforderung darstellt. Ok, Kondition braucht man. Das wird mir schon auf den ersten Metern des Aufstieges klar. Aber jeder Meter lohnt sich. Bereits am Schwarzhornfurgga, einige hundert Höhenmeter unterhalb des Gipfels, haben wir einen wunderbaren Blick ins Prättigau. Genau hier und auf dem Weg hinauf zum Schwarzhorn, verläuft die Grenze zwischen dem Prättigau und dem Engadin.

Aussicht Schwarzhornfurgga
Bllick vom Schwarzhornfurgga

Noch ein paar Minuten gönnen wir uns, aber dann beginnen wir mit dem Gipfelsturm. Klettern muss man nicht um auf das Schwarzhorn zu kommen. Aber es geht langsam und stetig steil bergauf. Die Aussicht wird immer gigantischer. Klar, dass wir auf dem Gipfel heute nicht allein sind. Denn dort angekommen bleibt uns der Mund vor Staunen offen stehen. Ein 360° Panorama wie man es sich schöner nicht ausmalen könnte. Hier sieht man bei klarem Wetter sogar den Großglockner und den Mont Blanc. Wir schießen unzählige Fotos und können uns kaum lösen.

Flüela Schwarzhorn
Aussichtsreiche Pause am Flüela Schwarzhorn

Hinaus aus der Komfortzone

Vom Schwarzhorn geht es wieder hinunter zum Schwarzhornfurgga und dann weiter an einem kleinem Bergsee vorbei. Über riesige Geröllfelder wandern wir im Anschluss wieder hinauf, bis wir den Abzweig zur Grialetschhütte erreichen. Die Grialetschhütte ist eine Berghütte der Sektion Davos des Schweizer Alpenclubs (SAC). Wunderschön auf einer Höhe von 2542 m gelegen, bietet sie neben 61 Betten auch eine tolle Aussicht in die bündnerische Bergwelt. Was sie nicht bietet, ist gleich auf der ersten Seite des Internetauftrittes der Hütte zu lesen: Internetanschluss! Und auch das Handy könne man ruhig zuhause lassen, denn es gibt kein Netz. Aus- und Entspannen ist also angesagt. Wir erkunden noch ein wenig das Gebiet um die Hütte herum. Hier gibt es zwei schöne Bergseen. Milos und Andy müssen natürlich testen wie kalt das Wasser ist. Ich weiß es ohne Test: viiiiiiiel zu kalt!

Bergsee Albula-Alpen
Vorbei an einem Bergsee
Grialetschhütte in den Albula-Alpen
An der Grialetschhütte angekommen
Grialetschhütte Zimmer
Raus aus der Komfortzone

Nach diesem langen Wandertag mit etlichen Höhenmetern, einem leckeren Hüttenessen und ein paar Bierchen falle ich dann erschöpft auf die Matratze. Auch für die Übernachtung auf der Grialetschhütte gilt: raus aus der Komfortzone. Die vier Zimmer der Hütte sind klein, man liegt dicht an dicht. Geschnarcht wird sowieso, wer zuerst einschläft gewinnt. Aber das gehört zu einer zünftigen Hüttentour dazu. Alles andere hätte mich enttäuscht. Für morgen hat sich unser Bergführer David etwas besonderes ausgedacht. Er will mit uns über Gletscher und aufs Scalettahorn. Deshalb müssen wir früh raus, eine anstrengende Tour durch die Albula-Alpen steht uns bevor. Abmarsch im Morgengrauen!

Gletscherüberquerung – ohne Grödel geht da nix!

Nächster Tag, 5 Uhr morgens… nachdem ich in der Nacht das eine oder andere Bierchen wegbringen musste, bin ich gerade noch einmal schön eingeduselt. Aber David kennt keine Gnade. Die Tür geht auf und er weckt uns. Verschlafen raffe ich meine Sachen zusammen. Gepackt wird unten um die anderen Hüttenbewohner nicht zu stören. Das Frühstück in der Gaststube ist schon fertig. Ein starker Kaffee ist heute morgen das Wichtigste. Und dann geht es los. Noch in der Dunkelheit stapfen dem ersten Gletscher entgegen. Als wir ihn erreicht haben, beginnt es zu dämmern.

Ich muss zugeben: vor meiner ersten Gletscherüberquerung habe ich ein wenig Bammel. Aber der bergerfahrene David strahlt die nötige Ruhe aus. Wir holen unsere Grödel aus dem Rucksack und stülpen sie über die Wanderschuhe. Dann seilen wir uns an. Und schon geht es los. Der Grialetschgletscher hat, wie alle anderen Alpengletscher, gehörig unter dem Klimawandel zu leiden. Aber staunend höre ich, dass das Gletschereis hier doch noch eine Dicke von 10 – 20 Metern erreichen kann.

Scalettagletscher
Schon beeindruckend so ein Gletscher
Grödel anziehen
Ohne Grödel geht da nix
Albula-Alpen - Angeseilt über den Grialetsch-Gletscher
In der Seilschaft über den Gletscher

Wir laufen auf eine kleine Spalte zu und ich hoffe, dass sie nicht zu tief ist. Gut, dass wir die Grödel an den Füßen haben. Sonst wäre das wohl eine schöne Rutschpartie. Und die Spalte erweist sich dann auch als harmlos. Sie ist gerade mal ca. einen Meter tief und so gehen wir locker hinüber. So langsam gewöhne ich mich an das Gehen auf Eis. Den Piz Grialetsch lassen wir rechter Hand liegen und wandern über ein weiteres Gletscherfeld dem Scalettahorn entgegen. Schließlich können wir die Grödel ausziehen. Es geht hinauf zum Scalettahorn.

Schrecksekunde am Scalettahorn

Das Scalettahorn zu bezwingen, macht schon etwas mehr Mühe als zum Schwarzhorn hinauf zu wandern. Hier muss man an einigen Stellen doch die Hände zur Hilfe nehmen und ein wenig kraxeln. Aber da ich vor einigen Tagen auf dem hochalpinen Grenzgänger Wandersteig unterwegs war, nehme ich das Ganze hier etwas lockerer. Unser Bergführer nimmt die etwas unsichereren Wanderer unserer kleinen Gruppe ans Seil und so kommen wir alle wohlbehalten am Gipfel an. Leider hat es sich inzwischen etwas zugezogen und deshalb bleibt uns die bestimmt wunderschöne Aussicht zum großen Teil verborgen. Aber immerhin können wir noch einmal auf den Gletscher zurückblicken, den wir soeben überwunden haben. 3068 m hoch sind wir nun und wir müssen irgendwie wieder hinunter.

Albula-Alpen Scalettahorn
Aufstieg zum Scalettahorn

Dazu müssen wir zunächst ein steiles Geröllfeld durchqueren. Immer wieder rutschen Steine und kleinere Felsbrocken, ausgelöst von unserem Gewicht, den Berg hinunter. Dann plötzlich die Schrecksekunde. Milos und Frank kommen irgendwie ins Rutschen. Doch zum Glück sind sie angeseilt. David findet Halt an einem Felsen und so können die beiden sich am Seil wieder aufrichten. Das ist zum Glück nochmal gut gegangen. Und so erreichen wir ohne Blessuren und Verluste den Scalettapass, von dem aus es auf einem bequemen Höhenweg zur Kesch-Hütte geht. Leider regnet es zwischendurch immer mal wieder recht heftig und so können wir die Schönheit der Landschaft nur erahnen. Ziemlich durchnässt erreichen wir unsere Hütte und sind froh, dort einen geräumigen Trockenraum vorzufinden.

Scalettahorn - Gruppe in Schwierigkeiten
Schreck lass nach! Alles gut gegangen
Murmeltier Albula-Alpen
Und täglich grüßt das Murmeltier

Die Kesch-Hütte liegt mitten in den Albula-Alpen

Es folgt also Teil zwei des Davoser Hüttenzaubers. Die auf 2625 m Höhe mitten in den Albula-Alpen liegende Kesch-Hütte ist um einiges moderner als die Grialetschhütte, auf der wir gestern übernachtet haben. Das liegt daran, dass sie 2001 in der Nähe der ursprünglichen Schutzhütte, die auf das Jahr 1893 zurück datiert, vom Schweizer Alpenclub neu erbaut wurde. Hier gibt es Duschen die sogar mit Solarkraft beheizt werden. Das setzt allerdings voraus, dass die Sonne scheint. Und das tut sie heute nicht, deshalb ist es auch heute wieder nichts mit heiß duschen. Dafür schmeckt das von Ursina und Reto servierte Abendessen umso besser. Eine kleine Hüttenführung ist gratis und das Verdauungsschnapserl mundet hervorragend. Draußen hat es inzwischen zu schneien begonnen. Reto muss morgen mit dem Quad hinunter ins Tal um den Schornsteinfeger abzuholen. Der plötzliche Schneefall macht ihm ein wenig Sorgen.

Kesch-Hütte
Die Kesch-Hütte liegt auf 2625 Meter

Albula Winter Wonderland

Mir übrigens auch, denn wir müssen ja auch wieder ins Tal hinunter. Ich habe schlechte Erinnerungen an den plötzlichen Wintereinbruch in den Salzburger Alpen im vergangenen Jahr, als ich meine Wanderung über die Schwalbenwand abbrechen musste, weil die Wege durch den Schnee glatt wie Schmierseife waren. Hier gibt es kein Abbrechen. Irgendwie müssen wir ja hinunter ins Tal. Aber am nächsten Morgen begrüßt uns ein wahres Winter Wonderland. Es ist nicht allzu rutschig und wir wandern durch den Neuschnee auf bekanntem Weg zurück, bis wir den Abzweig zum Sertig-Pass erreichen. Am Lai da Ravais-ch, einem herrlichen Bergsee inmitten der Albula-Alpen, bieten sich weitere winterliche Motive.

Am Lai da Ravais-ch
Am Lai da Ravais-ch
Albula Winter Wonderland
Winter Wonderland Albula-Alpen

Von dort führt uns David hinauf zum Sertigpass über den wir nach Sertig-Dörfli hinunter laufen. Bevor wir im Ort ankommen, erwischt uns leidern noch ein ausgewachsener Regenschauer. Und deshalb freue ich mich, im Hotel-Restaurant Walserhus wieder ein Dach über dem Kopf zu haben. Überhaupt: wir sind wieder in der Zivilisation! Wenn auch das Wetter nicht ganz mitgespielt hat: drei wahnsinnig schöne Tage in den Albula-Alpen liegen hinter uns. Wir sind auf der Hüttentour zu einer kleinen Seilschaft zusammen gewachsen und haben einiges erlebt und gesehen. Doch nun geht es wieder zurück nach Davos – mit dem Postauto!

Gerne empfehle ich Euch auch meinen Bericht über Foxtrail, die interaktive Schnitzeljagd in Davos sowie weitere Berichte in meinem Special Schweiz!

Albula-Alpen: Diashow, Video und Disclaimer

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Milos hat das ganze im Bewegtbild festgehalten! Danke!
Outdoor Blogger Codex Siegel

*Zur Hüttenwanderung wurde ich von der Destination Davos Klosters eingeladen. Dafür meinen allerherzlichsten Dank! Diese Kooperation hat meine Berichterstattung jedoch in keinster Weise beeinflusst und ich gebe hier ausschließlich und ehrlich meine persönlichen Eindrücke wieder.

Transparenz und Offenheit sind mein Credo und somit Verpflichtung bei allem, was ich schreibe, dazu habe ich mich durch das Unterzeichnen des Outdoor Blogger Codex verpflichtet.

3 Kommentare

    1. Hallo Ihr beiden! Vielen lieben Dank. Ja, in der Schweiz ist es immer schön. Viele Grüße in den Hunsrück… ich bin schon auf dem Sprung dorthin.

      Jörg

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