Langlauf in Davos

Langlauf in Davos – zum ersten Mal auf schmalen Brettern

Langlauf in Davos – im Graubündner Wintersportparadies habe ich mich zum ersten Mal auf die schmalen Bretter gewagt. Zum ersten Mal ist nicht ganz richtig. Vor ewigen Zeiten habe ich bei der Bundeswehr mal auf Langlaufskiern gestanden. Die hatten damals noch eine Seilzugbindung. Das war Mitte der 80er. Und nun, über 30 Jahre später, hatte ich Gelegenheit die Loipen in Davos zu erkunden.

Langlauf in Davos
Langlauf in Davos – zum ersten Mal auf schmalen Brettern

Besuch im nationalen Leistungszentrum Langlauf in Davos

Aber erstmal schauen, wie die Profis trainieren. Und wie in Davos die Loipen für die Profis und Freizeitläufer vorbereitet werden. Dazu begeben wir uns in die heiligen Hallen des Langlauf Leistungszentrums Davos. Zum ersten Mal höre ich vom „Snowfarming“. Über 20.000 m³ technisch hergestellter Schnee werden den Sommer über mit Sägespänen abgedeckt und im Oktober auf 4 km Loipe verbracht. So wird sichergestellt, dass Ende Oktober Spitzenlangläufer aus aller Welt, aber auch Freizeitläufer, auf die Loipen in Davos können! Insgesamt bietet die Feriendestination Davos Klosters über 100 Kilometer klassische und 46 Kilometer Skating Loipen. Vor dem Leistungszentrum findet man eine große Tafel, die den jeweiligen Loipenzustand der Loipen in Davos anzeigt.

Langlauf in Davos - Snowfarming
Snowfarming – hier über“sommert“ der Schnee für den Winter

Doch nun zum nationalen Leistungszentrum Langlauf in Davos. Dieses wurde im Jahr 2003 eröffnet und derzeit finden hier 22 Athletinnen und Athletien eine ideale Traingingsinfrastruktur vor. Darunter ist natürich auch Dario Cologna, der mehrfache Langlauf Olympiasieger aus der Schweiz. Gerade hatte er in Pyeongchang sein insgesamt viertes Olympiagold geholt und hier in Davos ist man mit Recht sehr stolz auf ihn. Wenn Dario nicht gerade irgendwo auf der Welt unterwegs ist, ist es durchaus wahrscheinlich, ihn beim Langlauf in Davos zu treffen. Ich würde ihn wahrscheinlich meistens von hinten sehen, wenn er mir nicht gerade entgegen kommen würde.

Besonders fasziniert war ich vom großen Laufband. Hier können original Strecken simuliert werden. Mit Rollski und speziell präparierten Langlaufstöcken begibt sich der Athlet auf die halbvirtuelle Loipe. Die Trainer können so Fehler feststellen und korrigieren. Dabei hebt und senkt sich das Laufband der original Strecke oder dem vorgesehenen Trainingsplan entsprechend. Natürlich findet man auch sonst hier alles, was das Sportlerherz begehrt. Von der Hantel bis hin zur Eistonne.

Langlauf Leistungszentrum Davos - Laufband
Das Mega-Laufband im Langlauf Leistungszentrum Davos

Langlauftraining – aller Anfang ist schwer

Und nun wird es ernst: Wir spazieren durch das Freigelände, hier wird im Sommer übrigens Golf gespielt, hinüber ins Geschäft von Hofmänner Langlaufsport. Andy Hofmänner ist ein wahrer Fachmann was den Langlaufsport betrifft. Er gibt uns einen kurzen Überblick über die Trends in der Branche. Über allem schwebt die allesentscheidende Frage: Klassisch oder Skating? Denn für eins von beiden muss man sich entscheiden, bevor man in eine Langlaufausrüstung investiert. Von dieser Entscheidung hängt es ab, welche Skier und welche Schuhe man kauft. Zum Glück liegt das Geschäft direkt an der Loipe. Und bei Hofmänner Langlaufsport kann man in aller Ruhe ausprobieren, was einem am besten liegt.

Langlauf in Davos - Hofmänner Langlaufsport
Wer die Wahl hat, hat die Qual. Heutige Bindungen sind „High-Tech“

Als Anfänger entscheide ich mich für „Klassisch“. Ich bekomme ein paar „Fellski“., der neueste Schrei für den klassischen Stil, ein paar Schuhe, Stöcke und los geht es. Es geht auf die Loipe. Ich bekomme Einzelunterricht. Patrik nimmt mir als allererstes die Stöcke weg. Das ist gemein! Wie soll ich mich jetzt abstützen, wie das Gleichgewicht halten?

Langlauf in Davos - Hofmänner Langlaufsport
Langlaufski müssen dem Gewicht angepasst werden

Doch schon bald merke ich , was Patrik damit bezwecken möchte: ich soll nicht alles gleichzeitig erlernen sondern alles von Grund auf… erst die Schritte auf der Geraden, dann die Bergauf-Schritte. Mich jetzt auch noch mit den Stöcken zu beschäftigen wäre hinderlich. Und so komme ich nach meiner Ansicht immer besser zurecht und darf auch irgendwann die Stöcke hinzunehmen. Diese sind mir dann im ersten Moment hinderlich. Aber auch das bekommt Patrik in den Griff. Er zeigt mir, wie ich die Stöcke sinnvoll einsetze. Und so habe ich am Ende der 2,5 Stunden Einzelunterricht ein recht gutes Gefühl.

Langlauf in Davos - Skikurs
Nach der ersten Lektion – ich bin zuversichtlich

Loipen in Davos – Winterwonderland im Sertig

Am nächsten Tag geht es in „Eingemachte“. Die Langlauftrainer führen uns ins Sertig – ein Seitental von Davos. Cornelia betreut die „Anfänger-Gruppe“, der ich mich natürlich zuteile. Wir fahren hinauf bis zur Mühle Sertig. So haben wir zumindest schon mal 100 Höhenmeter und fast 5 Kilometer gespart. Ab hier wird im Sertig nur noch klassisch gelaufen. Die ersten Meter sind flach, ich versuche das gestern erlernte umzusetzen. Und das ist zunächst ein gutes Gefühl. Ich komme relativ gut ins Gleiten.

Langlauf in Davos - Sertig
Auf herrlich gespurten Loipen geht es ins „Sertig“

Aber dann kommen die ersten Steigungen. Ski raus aus der Loipe und im halben Schlittschuhschritt bergan. Klappt auch noch recht gut aber ich merke, dass das Kraft kostet. Und die Sache mit dem „nicht zurück rutschen“ habe ich wohl auch noch nicht so ganz verinnerlicht. Es fällt mir immer schwerer voran zu kommen. Schließlich fällt mir Patriks Hinweis von gestern ein: es ist jederzeit erlaubt, die Ski abzuschnallen und zu Fuß zu gehen. Zum Dörfli hin kommmt ein für mich sehr steiles Stück und so folge ich dem Hinweis.

Langlauf in Davos - Sertig Dörfli
Kaiserwetter!

Und um eines mache ich mir jetzt schon Gedanken: wir müssen hier auch wieder hinunter! Die Langläufer, die mir entgegen kommen, haben schon mächtig Tempo drauf. Das bekomme ich garantiert nicht hin. Und so sitze ich schließlich mit den anderen im Restaurant Bergführer und habe mir Bedenkzeit erbeten. Denn immer noch besteht auch die Möglichkeit, mit dem Postbus hinunter nach Davos zu fahren. Liebe Leser: Ihr kennt mich inzwischen! Der Bus ist dann für mich natürlich keine Option.

Bergab zurück nach Davos

Und so stehe ich schließlich am Anfang des eben beschriebenen Steilstücks. Liebe Langlaufprofis, bitte glaubt mir, auch wenn Ihr vielleicht drüber lachen würdet: für mich, der auch keine Alpinerfahrung hat, war es steil! Ich gebe mir einen Ruck, fahre natürlich im Schneeflug. Das geht auch immer für ein paar Meter gut. Aber irgendwas bringt mich immer zum Straucheln und so nutze ich unzählige Male die „Popobremse“. Cornelia hat unendlich viel Geduld mit mir, bespricht vor jedem Bergab-Abschnitt mit mir die Herangehensweise. Schneeflug oder nur einen Ski zum bremsen aus der Spur? Theoretisch alles kein Problem.

Langlauf in Davos - Sertig
Ganz hinten im Sertig – Sertig Dörfli

Sobald aber wieder ein Geländeübergang oder ein Hindernis kommt und ich deshalb die Schrittart wechseln muss, sitze ich wieder auf dem Allerwertesten. Doch noch haben wir einige hundert Meter bergab vor uns. Die „Fortgeschrittenen-Gruppe“ setzt zum Überholen an. Allenthalben gut gemeinte Worte über meinen „Wagemut“. Und ich höre auch, dass diese Loipe wirklich nicht unbedingt etwas für Anfänger ist und recht schwere Streckenteile bietet.

Und so bin ich froh und auch relativ stolz, in Frauenkirch angekommen zu sein. Ohne Blessuren an Mensch und Material. Cornelia stellt mir wieder frei, ab hier den Bus zu nehmen. Doch nun möchte ich es zu Ende bringen. Es geht ja überwiegend flach dahin. Von der Entfernung her noch ein ganzes Stück. Aber wir haben ja Zeit. Und hier genieße ich es auch wieder. Rufe mir nochmals die Schrittarten in Erinnerung und merke auch,  wie ich vieles, beispielsweise das Bremsen, schon automatisierter mache als zu Beginn meiner Langlauferfahrung.

Langlauf in Davos - Frauenkirch
Davos ist wieder in Sichtweite

Und ja, es hat mir Spaß gemacht! Und ich bin angefixt… das merkt man auch daran, dass ich zuhause nach den Schneehöhen im Westerwald google und schaue, welche Loipen es hier in der Umgebung gibt. Denn beim Langlauf kann man die Natur genießen und gleichzeitig viel für die Gesundheit tun. Es werden ganz andere Muskelpartien als beim Wandern beansprucht. Allerdings auch mit dem Ergebnis, dass ich noch ein paar Tage einen ordentlichen Muskelkater habe.

Langlauf in Davos – Wissenswertes

Langlauf in Davos ist von Ende Oktober bis Anfang April möglich. Dafür sorgt das „Snowfarming“ und vier Loipenraupen, die jeden Abend und teilweise auch früh morgens unterwegs sind. Bei einer Mitfahrt in einer Loipenraupe konnte ich mir ein Bild davon machen,  wie arbeitsintensiv das Ganze ist.

Loipen in Davos - Loipenraupen
Die Loipen-Maschinen stehen zum Einsatz bereit

Aber es lohnt sich und so sind die Loipen in Davos etwas ganz Besonderes für quasi jeden Geschmack. Umrahmt von einer herrlichen Berglandschaft gibt Hundeloipen, Loipen für Skating und Klassisch, leichte Strecken, schwere Strecken und sogar eine „Herzloipe“, die Anfängern und Herzpatienten den Einstieg in den Langlaufsport erleichtert. Und: die Benutzung der Loipen ist kostenlos was auch nicht allerortens selbstverständlich ist.

Während der vier Tage in Davos habe ich im Arabella Hotel Waldhuus Davos übernachtet. Dieses einzigartige Chalet-Hotel liegt direkt an der Loipe, Verpflegung und Unterkunft sind erste Sahne! Vom Balkon hatte ich einen schönen Blick über Davos und das Personal war zuvorkommend und nett. Das kann ich guten Gewissens weiter empfehlen!

Arabella Hotel Waldhuus
Arabella Hotel Waldhuus – Chalethotel direkt an der Loipe!

Und übrigens: in der Schweiz gibt es noch einiges mehr zu entdecken! Schaut doch einfach mal in meine Kategorie „Reisetipps Schweiz“.

Disclaimer und weitere Fotos

Outdoor Blogger Codex Siegel

Diese Reise fand auf Einladung der Tourismusregionen Davos-Klosters und Graubünden statt und wurde von der Rhätischen Bahn, den Schweizerischen Bundesbahnen sowie der Deutschen Bahn unterstützt. Dafür meinen allerherzlichsten Dank! Die Kooperation mit dem Veranstalter hat meine Berichterstattung aber in keinster Weise beeinflusst und ich gebe hier ausschließlich und ehrlich meine persönlichen Eindrücke wieder.

Transparenz und Offenheit sind mein Credo und somit Verpflichtung beim Verfassen aller meiner Artikeln, dazu habe ich mich durch das Unterzeichnen des Outdoor Blogger Codex verpflichtet.

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15 Kommentare

  1. Hallo Audrey,

    ja, ich habe es schon gesehen! Trotzdem nochmal danke für Deinen Kommentar. Freue mich sehr, muss mal schauen, wann ich dann auch zum Schreiben komme!

    Liebe Grüße, Jörg

  2. Hallo Jörg,
    dein Bericht ist wiedermal wunderbar und liest sich mit ausgesprochener Leichtigkeit. Beim Lesen hat es mir zuerst sehr leid getan, dass du oft hingefallen bist, aber dein Sportgeist und Ehrgeiz waren beim Lesen so spürbar, dass ich angefangen habe eher mitzufiebern und zu denken „komm schon, du schaffst es!“ Ich bin schon auf dein nächstes Abenteuer und dein Bericht darüber gespannt.
    Liebe Grüße
    Natalia

    1. Hallo Natalia!

      Vielen Dank für Deinen lieben Kommentar. Ne, aufgeben liegt mir halt nicht besonders. Und wenn man auf den Popo fällt, steht man halt wieder auf. Übrigens auch ein schönes Lebensmotto!

      Liebe Grüße, Jörg

  3. Lieber Jörg,
    du hast es ja schon beim Lesen des Artikels selbst erspäht, aber ich muss es ja auch noch mal „offiziell“ machen. Also Trommelwirbel, Tusch:
    hier die offizielle Benachrichtigung, dass dein Blog den Mystery Award bekommt – und zwar von mir
    Warum? Weil ich es kann und dein Blog es verdient!

    Meine Fragen an dich und weitere Infos über den Award, findest du hier: https://audreyimwanderland.wordpress.com/2018/03/09/mystery-blogger-award-premiere/

    Ich bin gespannt, auf deine Antworten!

    Greetz ,
    Audrey

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